Eröffnungsvortrag
Freitag, 12.06.2026
17.00 Uhr
In ihrer Einführung nehmen Thomas Eder und Gisela Steinlechner den im Festival-Titel anklingenden Rhythmus/Widerstreit/Zusammenhang auf und spielen sich und dem Publikum im Ping-Pong-Modus verschiedene Überlegungen, Stichworte und Assoziationen zum Thema zu.
Unter anderem wird gefragt: Mit welchen Konzepten und Bildfeldern wurde die Arbeit des Schreibens/Dichtens seit der Moderne verknüpft und wie verhalten sich solche Modelle zu den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen und kulturellen Narrativen?
Welchen Figuren der Verweigerung oder der Transformation begegnet man in literarischen und künstlerischen Diskursen („I would prefer not to“) und wo verorten wir uns heute, herausgefordert und verlockt von den Möglichkeiten und Übergriffen der KI, konfrontiert mit Erfolgs- und Anpassungsdruck, mit ökonomischen Abhängigkeiten, Entwertung von künstlerischer Arbeit und Urheberrechten, etc.?
Unbewusste Anteile der Arbeit: Mit der écriture automatique gaben die Surrealisten den Schreibstift/die Schreibarbeit an das Unbewusste ab, indem sie sich in traum- oder tranceähnliche Zustände versetzten. Stichworte dazu lieferte u.a. Freuds Psychoanalyse und seine Traumdeutung, in der er eine Poetologie der „Traumarbeit“ entwarf mit Begriffen, wie sie gerade auch für die Literatur der Moderne zentral wurden: Übertragung, Verschiebung, Verdichtung, Mischbildung …
Überlegungen von Henri Poincaré und Paul Valéry zum kreativen Prozess.
Poetologische und literarische Beispiele von Friederike Mayröcker, Andreas Okopenko, Gerhard Rühm, H. C. Artmann, Dominik Steiger, Margret Kreidl u.a.
Handwerk, Industrie, Mechanisierung, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz: Transformationen der menschlichen Arbeit und Kreation, was kommt danach, was bleibt?
Kopfarbeit/Sitzarbeit: der stillgestellte Körper am Schreibtisch, sein Atmen?
Spazierengehen und Atmen/Schreiben (Robert Walser, Wiener Gruppe, …)
Arbeit und Leben/Atmen: soziale Aspekte, Erwerbsarbeit, Beziehungsarbeit, Körperarbeit, Care-Arbeit … Gerät uns alles zur Arbeit, während uns die Arbeit ausgeht?
Arbeit und Muße
Atmen und Rhythmus (Goethes „Im Atemholen sind zweierlei Gnaden“), der ausgeblendete Atem? Der „Atem“ der Sprache.
„Das Röcheln der Mona Lisa“ (Ernst Jandl) – Atemlosigkeit, Atemnot, geht uns die Luft aus?
Sprachingenieure und Arbeiter:innen an der Sprache/am Text, mit begrifflichen und konzeptuellen Anleihen aus Technik, Architektur, Film, Handwerk, Wissenschaft, Mathematik etc. Literatur als Baustelle.
Mechanische Texte: Palindrom, Anagramm, Pszittazismus …, Montagen des Zufalls/Inventionismus
Synonyme und Antonyme von „Arbeit“, „arbeiten“, „Atem“, „atmen“
Mechanization Takes Command (Sigfried Giedion), Alexander Kluge, Harun Farocki
Fleiß und Industrie