Lesung

Arbeitsplatz ©Magdalena Schrefel

©Suhrkamp
Sonntag, 14.06.2026
16.00 – 18.00 Uhr
Brauchbare Menschen – Erzählungen
Die neue Kollegin einer Sexarbeiterin ist aus Silikon. Ein Schlachtergehilfe hantiert in der »Fleischfabrik« mit hochmodernen Tötungsmaschinen. Und die Auszubildenden einer Flughafen-Security sollen verinnerlichen, dass erst regelkonformes Verhalten sie zu Menschen macht.
Magdalena Schrefels Figuren stehen vor den alltäglich-absurden Herausforderungen des Spätkapitalismus – Automatisierung, Kontrolle, Prekarität – und finden überraschende Wege, mit dem Unzumutbaren umzugehen. Und sie fragen nach den Bedingungen der Entstehung von Literatur: Wie macht sie sich Menschen zunutze? Und ist Literatur Arbeit, ja, sogar systemrelevante? (Suhrkamp)
Eine Freud’sche Fehlleistung anwendend könnte der Buchtitel auch Un/brauchbare Menschen heißen, denn der Subtext folgt der impliziten Frage nach den Bedeutungen von brauchbar und unbrauchbar in Bezug auf den arbeitenden Menschen in einer spätkapitalistischen Gesellschaft. Wie gestalten sich Leben und Alltage innerhalb der jeweiligen Arbeitsbiographien? Wie wirken sich unterschiedliche Arbeitsroutinen aus, und wo genau? Formen sie den Körper, eine Haltung, die emotionale Verfasstheit, die Sprache, auch eine, die sich poetologischen Gesetzen zu unterwerfen versteht, ästhetische Atmosphären einzufangen vermag und damit hybride Räume erzeugt? Eins: Eingang, Zwei: Kammer, Drei: Bibliothek, Vier: Büro, Fünf: XZKB – Magdalena Schrefels Schreiben lässt Texte als Räume entstehen. Orte, seine BewohnerInnen und Tätigkeiten setzen sich oftmals punktgenau entlang einer narrativen Linie fest und lassen eigentlich unerträgliches Leid wie bewegte Eissplitter erscheinen. (Ulrike Tauss)