Sprachspiel. Biennale West

Schwarze Chansons

med ana schwoazzn dintn
60 Jahre

Literatur-, Film- und Musikfestival im Gedenken an H. C. Artmann und die Wiener Gruppe

8. – 10. Juni 2018

Breitenseer Lichtspiele | Breitenseer Straße 21 | 1140 Wien

Aktuell

motto 02. act 1

Der Schriftsteller und Übersetzer H. C. Artmann (1921-2000) wuchs in Wien-Breitensee auf. Im Jahr 1958, vor genau 60 Jahren, erschien im Otto MüllerVerlag med ana schwoazzn dintn. gedichtr aus bradnsee. Mit diesem experimentellen und expressiven Werk erlangte der Dichter große Bekanntheit und inspirierte in der Folge die Neue Dialektdichtung.

Die heurige Festivalausgabe Schwarze Chansons zollt dem und den avantgardistischen Bestrebungen der Wiener Gruppe Tribut. Es bietet deshalb aktuellen experimentellen und interdisziplinären Literatur- und Kunstformen eine ideale Plattform. Die Grundlage der biennalen Veranstaltungsserie bildet die Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes aus dem Jahr 1953. Auf dem 1. Act der Proklamation basiert die diesjährige Ausgabe von Sprachspiel. Biennale West:


1. Der poetische Act ist jene Dichtung, die jede Wiedergabe aus zweiter Hand ablehnt, das heißt, jede Vermittlung durch Sprache, Musik oder Schrift.

H. C. Artmann, Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes. 1953

Eröffnung des Festivals
8. Juni 2018 | 15 Uhr
Breitenseer Lichtspiele
Breitenseerstraße 21 | 1140 Wien


Wir freuen uns sehr auf Ihren Besuch!
Ulrike Tauss, Norbert Pfaffenbichler, Stefanie Wolff

EINTRITT FREI - Spenden erwünscht

Programm

Schwarze Chansons - med ana schwoazzn dintn - 60 Jahre

Zeit: 8. – 10. Juni 2018

Freitag, 8. Juni 2018

15.00

Begrüßung
Ulrike Tauss | Norbert Pfaffenbichler | Stefanie Wolff

Eröffnung
Julia Danielczyk Stadt Wien | Literatur
Breitenseer Lichtspiele

15.30

Eröffnungsvortrag
Thomas Eder
H.C. Artmann, die schwoazze dintn, der Dialekt und die Wiener Gruppe.
Spielarten österreichischer Avantgarde

16.30

HAIKUS von Schülerinnen und Schülern
Leitung Rosa Pock und Peter Ahorner
VS Zennerstraße

Buchpräsentation
Alexandra Millner, Marc-Oliver Schuster
Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes. Weiteres zu H. C. Artmann

17.15

Kuratorisches Statement
Silvia Eiblmayr zu Lois Weinberger
Bühne für ein Ereignis, 2012/2018

17.30

Screening
H. C. ARTMANN.
Experimentelles Dichter-Porträt
Ferry Radax A 1967 | 42 min

19.00

Instant Composing
SchülerInnen-Ensemble
Leitung Philipp Harnisch
Zentrum für Musikvermittlung
Wien-Penzing

Lesung | Konzert
Gerhard Rühm und Monika Lichtenfeld
Dialektgedichte und Chansons

20.30

Konzert
EKG Ensemble - Oskar Aichinger, Susanna Heilmayr und Burkhard Stangl

ab 21.30

Sprachspiel-Lounge mit Curd Duca
Ambient DJ Set mit digitalanaloger Musik
minimalistisch schwebende Fragmente klassischer Moderne sowie eigene Stücke
Festival-Lounge | anna&jagetsberger

Samstag, 9. Juni 2018

14.00 – 15.30

Screening
Susann Maria Hempel
Wie ist die Welt so stille D 2013 | 5 Min
Der große Gammel D 2013 | 8 Min
Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen D 2014 | 18 Min
Lesung
Simone Hirth
Gespräch
Ferdinand Schmatz

16.00 – 17.30

Screening
Kenneth Anger
Scorpio rising USA 1964 | 30 min
Lesung
Max Höfler
Gespräch
Alexandra Millner

18.00 – 19.30

Screening
Sabine Marte
FAREWELL TO HELL AT 2014 | 7 min
Karø Goldt
roi d'olivier AT/DE 2013 | 5 min
Personal AT 2004 | 6 min
Lesung
Erwin Einzinger
Gespräch
Gisela Steinlechner

20.00

Lesung | Konzert
Die Hundekette, mein eigenes Revier
Rosa Pock und Peter Ahorner
Hannes Löschel und Vincenz Wizlsperger

Sonntag, 10. Juni 2018

10.00 – 11.30

Screening
Peter Kubelka
Mosaik im Vertrauen A 1955 | 16 min
Unsere Afrikareise A 1966 | 13 min
Lesung | Performance
Jörg Piringer
Gespräch
Fritz Ostermayer

Mittagspause

13.00 – 14.30

Screening
Gerhard Rühm
“rhythmus r”
Joris Ivens | Hanns Eisler
Regen USA 1929/1941 | 12 min
Lesung | Performance
Dental Princes
Ann & Lucy Cotten, Mario Schlager
Rain
Gespräch
Alexandra Millner und Hannes Löschel

15.00 – 16.00

Screening
Linda Christanell
All can become a rose A 1990 | 7 min
Carrousel deux A 2000 | 7 min
Moving picture A 1995 | 11 min
Lesung
Friedrich Achleitner | Fritz Ostermayer
Gespräch
Daniela Strigl

16.00 – 17.00

Impulsvortrag
Marc-Oliver Schuster
Podiumsgespräch
H.C. Artmann, die schwoazze dintn, der Dialekt und die Wiener Gruppe.
Zur Rezeption österreichischer Avantgarde
Fritz Ostermayer, Ferdinand Schmatz, Marc-Oliver Schuster, Daniela Strigl
Moderation
Judith Brandner | ORF

Danksagung
Ulrike Tauss | Norbert Pfaffenbichler | Stefanie Wolff

17.30

Klassenperformance
schule für dichtung
med aan schwoazzn lebdob
Leitung Stefan SlupetzkyTrio Lepschi

Im Anschluss
Konzert
Trio Lepschi


Ausstellungen
Lois Weinberger
Bühne für ein Ereignis 2016/2018
H. C. Artmann
act 1 | biography pieces part 02

Sprachspiel. Biennale West

Sprachspiel. Biennale West ist ein biennal stattfindendes Projekt des gemeinnützigen Kulturvereins Sprachspiel. Verein zur Förderung von Literatur und Kunst.
Der Verein wurde 2016 von Ulrike Tauss und Norbert Pfaffenbichler gegründet und bezweckt die Förderung von Literatur und Kunst, wobei der Schwerpunkt auf medialen, experimentellen und interdisziplinären Formen liegt. Zudem sieht er eine dezentrale und nachhaltige Verortung von zeitgenössischer Kunst im Dialog mit historischen Werken vor.

Die gesellschaftspolitische, kulturelle, literarische und mediale Bildung richtet sich an kunst- und kulturinteressierte Personen jeden Alters im lokalen, nationalen wie auch internationalen Kontext. Lesungen und Filmvorführungen, Ausstellungen und Konzerte sowie Performances und Theateraufführungen, mitunter gebündelt in Festivals, dienen der Etablierung experimenteller Literatur- und Kunstformen in einem erweiterten Sinne.

Team

Ulrike Tauss (*1968)

Kulturwissenschaftlerin, Radiojournalistin und Kuratorin
Lehrtätigkeit am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien, bis 2014 Pädagogin an NMS und HS/Sekundarstufe 1
Studium der Volkskunde/Europäischen Ethnologie, Soziologie und Philosophie, Universität Wien
Lehramtsstudium für NMS und HS, Pädagogische Hochschule Graz

Norbert Pfaffenbichler (*1967)

freischaffender Künstler, Filmemacher und Kurator
lebt und arbeitet in Wien
Studium Visuelle Mediengestaltung an der Universität für Angewandte Kunst Wien
Zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen und Festivalbeteiligungen

Stefanie Wolff (*1971)

Musikerin und Autorin
geboren und aufgewachsen in Hamburg, lebt und arbeitet in Wien
Schreibt Kurzgeschichten und lyrische Prosa. Gestaltet Radiosendungen für Ö1 (Hörbilder, Radiokolleg)
Spielt Violine und Viola in Orchestern und Kammermusik-Ensembles

Konzept

SCHWARZE CHANSONS

med ana schwoazzn dintn
60 Jahre

Literatur-, Film- und Musikfestival im Gedenken an H. C. Artmann und die Wiener Gruppe
Mit einem Schwerpunkt auf medialen, experimentellen und interdisziplinären Formen der Sprach-, Poesie- und Filmkunst sowie Musik in Gegenwart und Vergangenheit unter besonderer Berücksichtigung avantgardistischer Bestrebungen der Wiener Gruppe

Veranstaltungszeitraum:
8. – 10. Juni 2018
Veranstaltungsort:
Wien. Vorort Breitensee. Breitenseer Lichtspiele

Ziele
  • Dezentrale und nachhaltige Verortung unter Anbindung an das internationale Kunstschaffen
  • Gesellschaftspolitische und kulturelle Bildung für den Vorort unter Einbeziehung der unmittelbaren Wohnbevölkerung und Schulen
  • Anerkennung des Werks H. C. Artmanns und der Wiener Gruppe
  • Literarische, musikalische und mediale Bildung
  • Sprache und Poesie im Kontext von vergangenen und gegenwärtigen Migrationsprozessen
  • Förderung junger AutorInnen und KomponistInnen (Literatur, Film, U- und E- Musik) im Dialog mit Artefakten der Vergangenheit
  • Schwerpunkt auf experimentellen, poetischen und interdisziplinären Kunstformen
  • Formale flexible Anpassung bei jeder biennalen Veranstaltung (Lesung, Film, Musik, Ausstellung)

Modus

biennal

Dogma

Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes (1953), H. C. Artmann

Es gibt einen Satz, der unangreifbar ist, nämlich der, daß man Dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein Wort geschrieben oder gesprochen zu haben. Vorbedingung ist aber der mehr oder minder gefühlte Wunsch, poetisch handeln zu wollen. Die alogische Geste selbst kann, derart ausgeführt, zu einem Act von ausgezeichneter Schönheit, ja zum Gedicht erhoben werden. Schönheit allerdings ist ein Begriff, welcher sich hier in einem sehr geweiteten Spielraum bewegen darf. 

  1. Der poetische Act ist jene Dichtung, die jede Wiedergabe aus zweiter Hand ablehnt, das heißt, jede Vermittlung durch Sprache, Musik oder Schrift. 
  2. Der poetische Act ist Dichtung um der reinen Dichtung willen. Er ist reine Dichtung und frei von aller Ambition nach Anerkennung, Lob oder Kritik. 
  3. Ein poetischer Act wird vielleicht nur durch Zufall der Öffentlichkeit überliefert werden. Das jedoch ist in hundert Fällen ein einziges Mal. Er darf aus Rücksicht auf seine Schönheit und Lauterkeit erst gar nicht in der Absicht geschehen, publik zu werden, denn er ist ein Act des Herzens und der heidnischen Bescheidenheit. 
  4. Der poetische Act wird starkbewußt extemporiert und ist alles andere als eine bloße poetische Situation, die keineswegs des Dichters bedürfte. In eine solche könnte jeder Trottel geraten, ohne es aber jemals gewahr zu werden. 
  5. Der poetische Act ist die Pose in ihrer edelsten Form, frei von jeder Eitelkeit und voll heiterer Demut. 
  6. Zu den verehrungswürdigsten Meistern des poetischen Actes zählen wir in erster Linie den satanistisch-elegischen C. D. Nero und vor allem unseren Herrn, den philosophisch-menschlichen Don Quijote. 
  7. Der poetische Act ist materiell vollkommen wertlos und birgt deshalb von vornherein nie den Bazillus der Prostitution. Seine lautere Vollbringung ist schlechthin edel.
  8. Der vollzogene poetische Act, in unserer Erinnerung aufgezeichnet, ist einer der wenigen Reichtümer, die wir tatsächlich unentreißbar mit uns tragen können. 
Struktur

*Übergeordnete Struktur: motto 01 | prolog – motto 02 | act 1…motto 09 | act 8 – motto 10 | epilog

motto 01. Prolog

Es gibt einen Satz, der unangreifbar ist, nämlich der, daß man Dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein Wort geschrieben oder gesprochen zu haben. Vorbedingung ist aber der mehr oder minder gefühlte Wunsch, poetisch handeln zu wollen. Die alogische Geste selbst kann, derart ausgeführt, zu einem Act von ausgezeichneter Schönheit, ja zum Gedicht erhoben werden. Schönheit allerdings ist ein Begriff, welcher sich hier in einem sehr geweiteten Spielraum bewegen darf.

*Untergeordnete Struktur: 6 Einheiten mit Screening, Lesung, Gespräch (unter Einbeziehung des Publikums)

*Abendveranstaltungen 01 - 03

  • Freitag: Begrüßung | Eröffnung | Gedenktafelenthüllung | Filmscreening | Ausklang
  • Samstag: Filmscreenings – Lesungen – Gespräche | Performances und poetische Acte – schule für dichtung
  • Sonntag: Filmscreenings – Lesungen – Gespräche | Podiumsdiskussion | Lesung von Texten von H. C. Artmann | O-Ton H. C. Artmann im Abspann

*Ausstellungen

  • H. C. Artmanns biography in progress 01 – 10
    biography pieces part 01 | seven*surprises
  • Schaufenster | Vitrine 01 – 10 | Gestaltung durch zeitgenössische KünstlerInnen
    Vitrine 01 | Sabina Hörtner | künstlerische Intervention

*Workshops

  • die Graphische - Die Schule der Medien | Workshop mit Michael Stavarič
  • Volksschule Zennerstraße - Mehrstufenklasse FC | Workshop "H. C. Artmann und HAIKUS"

motto 02. act 1

Der poetische Act ist jene Dichtung, die jede Wiedergabe aus zweiter Hand ablehnt, das heißt, jede Vermittlung durch Sprache, Musik oder Schrift.

*Untergeordnete Struktur: 6 Einheiten mit Screening, Lesung, Gespräch

*Abendveranstaltungen 01 - 03

*Ausstellungen

*Workshops

motto 03. act 2

Der poetische Act ist Dichtung um der reinen Dichtung willen. Er ist reine Dichtung und frei von aller Ambition nach Anerkennung, Lob oder Kritik.

motto 04. act 3

Ein poetischer Act wird vielleicht nur durch Zufall der Öffentlichkeit überliefert werden. Das jedoch ist in hundert Fällen ein einziges Mal. Er darf aus Rücksicht auf seine Schönheit und Lauterkeit erst gar nicht in der Absicht geschehen, publik zu werden, denn er ist ein Act des Herzens und der heidnischen Bescheidenheit.

motto 05. act 4

Der poetische Act wird starkbewußt extemporiert und ist alles andere als eine bloße poetische Situation, die keineswegs des Dichters bedürfte. In eine solche könnte jeder Trottel geraten, ohne es aber jemals gewahr zu werden.

motto 06. act 5

Der poetische Act ist die Pose in ihrer edelsten Form, frei von jeder Eitelkeit und voll heiterer Demut.

motto 07. act 6

Zu den verehrungswürdigsten Meistern des poetischen Actes zählen wir in erster Linie den satanistisch-elegischen C. D. Nero und vor allem unseren Herrn, den philosophisch-menschlichen Don Quijote.

motto 08. act 7

Der poetische Act ist materiell vollkommen wertlos und birgt deshalb von vornherein nie den Bazillus der Prostitution. Seine lautere Vollbringung ist schlechthin edel.

motto 09. act 8

Der vollzogene poetische Act, in unserer Erinnerung aufgezeichnet, ist einer der wenigen Reichtümer, die wir tatsächlich unentreißbar mit uns tragen können.

motto 10. epilog

Kontakt

Sprachspiel. Verein zur Förderung von Literatur und Kunst
Kienmayergasse 45/6
1140 Wien
T + 43 (0) 676 7196069
ZVR-Zahl: 546724891

Festival
Veranstalter: Sprachspiel. Verein zur Förderung von Literatur und Kunst
Festivalleitung: Ulrike Tauss
Konzept: Ulrike Tauss, Norbert Pfaffenbichler, Stefanie Wolff
Organisation: Ulrike Tauss, Norbert Pfaffenbichler, Stefanie Wolff
Gestaltung: Tina Hochkogler
Website: ap
Programmänderungen und Irrtümer vorbehalten.
Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen, falls nicht anders angegeben.