Sprachspiel. Biennale West

H. C. Artmann

Ein Fest

95. Geburtstag

10. – 12. Juni 2016

Breitenseer Lichtspiele | Breitenseer Straße 21 | 1140 Wien

Aktuell

Danke!

Unser großer Dank gilt allen Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstlern, Moderatorinnen und Moderatoren, den Schauspielerinnen und Schauspielern, Filmemacherinnen und Filmemachern, den Schülerinnen und Schülern der VS Zennerstraße und der Grafischen, den Breitenseer Lichtspielen und der Schule für Dichtung/vienna poetry academy als Kooperationspartner, den Fördergebern, dem Thomas Sessler Verlag und schließlich dem Publikum! Es war ein wunderbares Fest im Gedenken an H.C. Artmann, herzlichen Dank an seine Familie, Rosa Pock und Emily Artmann!

Wir freuen uns auf die nächste Ausgabe!
Ihr Sprachspiel. Biennale-Team
Ulrike Tauss und Norbert Pfaffenbichler

motto 01. Prolog

Motto 01. Prolog findet als erster Teil der biennalen Veranstaltungsreihe Sprachspiel. Biennale West im Juni 2016 in den Breitenseer Lichtspielen statt.

Der Lyriker, Schriftsteller und Übersetzer H. C. Artmann (1921-2000) wuchs in Wien-Breitensee auf. Zu seinem 95. Geburtstag und im Andenken an sein Werk und seine poetische Kraft wird experimentellen und interdisziplinären Literatur- und Kunstformen eine Plattform geboten. Die Grundlage der biennalen Veranstaltungsserie bildet seine Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes aus dem Jahr 1953. Auf dem Prolog der Acht-Punkte-Proklamation basiert die diesjährige Ausgabe von Sprachspiel. Biennale West:

Es gibt einen Satz, der unangreifbar ist, nämlich der, daß man Dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein Wort geschrieben oder gesprochen zu haben. Vorbedingung ist aber der mehr oder minder gefühlte Wunsch, poetisch handeln zu wollen. Die alogische Geste selbst kann, derart ausgeführt, zu einem Act von ausgezeichneter Schönheit, ja zum Gedicht erhoben werden. Schönheit allerdings ist ein Begriff, welcher sich hier in einem sehr geweiteten Spielraum bewegen darf.

H. C. Artmann, Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes. 1953

Eröffnung des Festivals am 10. Juni 2016 um 18 Uhr in den Breitenseer Lichtspielen
Enthüllung der Gedenktafel um 18.30 Uhr in der Kienmayergasse 43 | 1140 Wien


Wir freuen uns sehr auf Ihren Besuch!
Ulrike Tauss und Norbert Pfaffenbichler

EINTRITT FREI

Programm

H. C. Artmann. Ein Fest.
95. Geburtstag

Zeit: 10. – 12. Juni 2016

Freitag, 10. Juni 2016

18.00

Begrüßung
Ulrike Tauss und Norbert Pfaffenbichler

Eröffnung
Julia Danielczyk Stadt Wien|Literatur
Breitenseer Lichtspiele

18.30

Enthüllung der Gedenktafel
Emily Artmann und Ulrich N. Schulenburg Thomas Sessler Verlag
1140 Wien, Kienmayergasse 43

19.30

Screening
der wackelatlas – sammeln und jagen mit H. C. Artmann, Katharina Copony und Emily Artmann AT/2001/58 min.
Breitenseer Lichtspiele

Ausklang bei Wein und Brot

Samstag, 11. Juni 2016

13.30 – 15.00

Screening
Jan Švankmajer Rakvičkárna (1966)
Lesung
Michael Stavarič
Gespräch
Marc-Oliver Schuster

15.30 – 17.00

Screening
Matthias Müller
Home Stories (1990) und Alpsee (1995)
Lesung
Ann Cotten
Gespräch
Fritz Ostermayer

17.30 – 19.30

Screening
Ferry Radax Sonne halt! (1959–62)
Lesung
Gerhard Rühm und Monika Lichtenfeld
Screening
Gerhard Rühm
selbstbeobachtung (1978)
Der längste Kuss Teil 1 (2015)
Gespräch
Ferdinand Schmatz

20.00 – 21.15

Lesung
Peter Rosei
Gespräch
Thomas Eder

21.30 Uhr

Lesung
Rosa Pock

Im Anschluss ~22.00

schule für dichtung – Performances und poetische Acte
elffriede.aufzeichnensysteme, Maria Muhar, Fritz Ostermayer, Judith Nika Pfeifer, Tino Schulter

Sonntag, 12. Juni 2016

10.00 – 11.30

Screening
Abigail Child Mercy (1989)
Lesung
Ferdinand Schmatz
Gespräch
Ann Cotten

11.30 – 11.45

Beiträge von Schülerinnen und Schülern
die Graphische – Die Schule der Medien

Mittagspause

13.00 – 14.30

Screening
Oskar Fischinger An optical poem (1938)
Lesung
Lisa Spalt
Gespräch
Alexandra Millner

15.00 – 16.00

Screening
Marc Adrian
WO-DA-VOR-BEI (1958), Schriftfilm (1960), Text I (1963), Text II (1964), Text III (1966)
Lesung
Friederike Mayröcker

16.00 – 17.00

Podiumsgespräch (unter Beteiligung des Publikums)
Thomas Eder, Rosa Pock, Ferdinand Schmatz, Marc-Oliver Schuster, Lisa Spalt
Moderation
Günter Kaindlstorfer

Danksagung
Ulrike Tauss und Norbert Pfaffenbichler

Abendlesung
Texte von H. C. Artmann
gelesen von Katja Jung und Franziska Hackl

Abspann
H. C. Artmann
Manifest, bevor Österreich bewaffnet wurde (1955)
O-Ton|Österreichische Mediathek


Ausstellungen
seven*surprises | biography pieces part 01_H. C. Artmann
Sabina Hörtner | Vitrine 01 | künstlerische Intervention

Sprachspiel. Biennale West

Sprachspiel. Biennale West ist ein biennal stattfindendes Projekt des gemeinnützigen Kulturvereins Sprachspiel. Verein zur Förderung von Literatur und Kunst.
Der Verein wurde 2016 von Ulrike Tauss und Norbert Pfaffenbichler gegründet und bezweckt die Förderung von Literatur und Kunst, wobei der Schwerpunkt auf medialen, experimentellen und interdisziplinären Formen liegt. Zudem sieht er eine dezentrale und nachhaltige Verortung von zeitgenössischer Kunst im Dialog mit historischen Werken vor.

Die gesellschaftspolitische, kulturelle, literarische und mediale Bildung richtet sich an kunst- und kulturinteressierte Personen jeden Alters im lokalen, nationalen wie auch internationalen Kontext. Lesungen und Filmvorführungen, Ausstellungen und Konzerte sowie Performances und Theateraufführungen, mitunter gebündelt in Festivals, dienen der Etablierung experimenteller Literatur- und Kunstformen in einem erweiterten Sinne.

Team

Ulrike Tauss (*1968)

freie Kulturwissenschaftlerin, Radiojournalistin und Kuratorin
Lehrtätigkeit am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien, bis 2014 Pädagogin an NMS und HS/Sekundarstufe 1
Studium der Volkskunde/Europäischen Ethnologie, Soziologie und Philosophie, Universität Wien
Lehramtsstudium für NMS und HS, Pädagogische Hochschule Graz

Norbert Pfaffenbichler (*1967)

freischaffender Künstler, Filmemacher und Kurator
lebt und arbeitet in Wien
Studium Visuelle Mediengestaltung an der Universität für Angewandte Kunst Wien
Zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen und Festivalbeteiligungen

Konzept

Sprachspiel. Biennale West

Literatur- und Filmfestival im Gedenken an H. C. Artmann
Mit einem Schwerpunkt auf medialen, experimentellen und interdisziplinären Formen der Sprach-, Poesie- und Filmkunst in Gegenwart und Vergangenheit (unter besonderer Berücksichtigung avantgardistischer Bestrebungen der Wiener Gruppe)

Zeit
10. – 12. Juni 2016
Ort
Wien. Vorort Breitensee. Breitenseer Lichtspiele. Breitenseer Straße 21. 1140 Wien

Ziele
  • Dezentrale und nachhaltige Verortung
  • Gesellschaftspolitische und kulturelle Bildung (für den Vorort unter Einbeziehung der unmittelbaren Wohnbevölkerung)
  • Anerkennung des Werks H. C. Artmanns (und der Wiener Gruppe)
  • Literarische und mediale Bildung
  • Sprache und Poesie im Kontext von vergangenen und gegenwärtigen Migrationsprozessen
  • Förderung junger (Film) AutorInnen im Dialog mit Artefakten der Vergangenheit
  • Schwerpunkt auf experimentellen, poetischen und interdisziplinären Kunstformen
  • Formale flexible Anpassung bei jeder biennalen Veranstaltung (Lesung, Film, Ausstellung in progress)

Modus

biennal

Dogma

Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes (1953), H. C. Artmann

Es gibt einen Satz, der unangreifbar ist, nämlich der, daß man Dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein Wort geschrieben oder gesprochen zu haben. Vorbedingung ist aber der mehr oder minder gefühlte Wunsch, poetisch handeln zu wollen. Die alogische Geste selbst kann, derart ausgeführt, zu einem Act von ausgezeichneter Schönheit, ja zum Gedicht erhoben werden. Schönheit allerdings ist ein Begriff, welcher sich hier in einem sehr geweiteten Spielraum bewegen darf. 

  1. Der poetische Act ist jene Dichtung, die jede Wiedergabe aus zweiter Hand ablehnt, das heißt, jede Vermittlung durch Sprache, Musik oder Schrift. 
  2. Der poetische Act ist Dichtung um der reinen Dichtung willen. Er ist reine Dichtung und frei von aller Ambition nach Anerkennung, Lob oder Kritik. 
  3. Ein poetischer Act wird vielleicht nur durch Zufall der Öffentlichkeit überliefert werden. Das jedoch ist in hundert Fällen ein einziges Mal. Er darf aus Rücksicht auf seine Schönheit und Lauterkeit erst gar nicht in der Absicht geschehen, publik zu werden, denn er ist ein Act des Herzens und der heidnischen Bescheidenheit. 
  4. Der poetische Act wird starkbewußt extemporiert und ist alles andere als eine bloße poetische Situation, die keineswegs des Dichters bedürfte. In eine solche könnte jeder Trottel geraten, ohne es aber jemals gewahr zu werden. 
  5. Der poetische Act ist die Pose in ihrer edelsten Form, frei von jeder Eitelkeit und voll heiterer Demut. 
  6. Zu den verehrungswürdigsten Meistern des poetischen Actes zählen wir in erster Linie den satanistisch-elegischen C. D. Nero und vor allem unseren Herrn, den philosophisch-menschlichen Don Quijote. 
  7. Der poetische Act ist materiell vollkommen wertlos und birgt deshalb von vornherein nie den Bazillus der Prostitution. Seine lautere Vollbringung ist schlechthin edel.
  8. Der vollzogene poetische Act, in unserer Erinnerung aufgezeichnet, ist einer der wenigen Reichtümer, die wir tatsächlich unentreißbar mit uns tragen können. 
Struktur

*Übergeordnete Struktur: motto 01|prolog – motto 02|act 1…motto 09|act 8 – motto 10|epilog

motto 01. Prolog

Es gibt einen Satz, der unangreifbar ist, nämlich der, daß man Dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein Wort geschrieben oder gesprochen zu haben. Vorbedingung ist aber der mehr oder minder gefühlte Wunsch, poetisch handeln zu wollen. Die alogische Geste selbst kann, derart ausgeführt, zu einem Act von ausgezeichneter Schönheit, ja zum Gedicht erhoben werden. Schönheit allerdings ist ein Begriff, welcher sich hier in einem sehr geweiteten Spielraum bewegen darf.

*Abendveranstaltungen 01 - 03

  • Freitag: Begrüßung|Eröffnung|Gedenktafelenthüllung|Filmscreening|Ausklang
  • Samstag: Filmscreenings – Lesungen – Gespräche|Performances und poetische Acte – schule für dichtung
  • Sonntag: Filmscreenings – Lesungen – Gespräche|Podiumsdiskussion|Lesung von Texten von H. C. Artmann|O-Ton H. C. Artmann im Abspann

*Untergeordnete Struktur: 6 Einheiten mit Screening, Lesung, Gespräch (unter Einbeziehung des Publikums)

motto 02. act 1

Der poetische Act ist jene Dichtung, die jede Wiedergabe aus zweiter Hand ablehnt, das heißt, jede Vermittlung durch Sprache, Musik oder Schrift.

motto 03. act 2

Der poetische Act ist Dichtung um der reinen Dichtung willen. Er ist reine Dichtung und frei von aller Ambition nach Anerkennung, Lob oder Kritik.

motto 04. act 3

Ein poetischer Act wird vielleicht nur durch Zufall der Öffentlichkeit überliefert werden. Das jedoch ist in hundert Fällen ein einziges Mal. Er darf aus Rücksicht auf seine Schönheit und Lauterkeit erst gar nicht in der Absicht geschehen, publik zu werden, denn er ist ein Act des Herzens und der heidnischen Bescheidenheit.

motto 05. act 4

Der poetische Act wird starkbewußt extemporiert und ist alles andere als eine bloße poetische Situation, die keineswegs des Dichters bedürfte. In eine solche könnte jeder Trottel geraten, ohne es aber jemals gewahr zu werden.

motto 06. act 5

Der poetische Act ist die Pose in ihrer edelsten Form, frei von jeder Eitelkeit und voll heiterer Demut.

motto 07. act 6

Zu den verehrungswürdigsten Meistern des poetischen Actes zählen wir in erster Linie den satanistisch-elegischen C. D. Nero und vor allem unseren Herrn, den philosophisch-menschlichen Don Quijote.

motto 08. act 7

Der poetische Act ist materiell vollkommen wertlos und birgt deshalb von vornherein nie den Bazillus der Prostitution. Seine lautere Vollbringung ist schlechthin edel.

motto 09. act 8

Der vollzogene poetische Act, in unserer Erinnerung aufgezeichnet, ist einer der wenigen Reichtümer, die wir tatsächlich unentreißbar mit uns tragen können.

motto 10. epilog

*Ausstellungen

  • H. C. Artmanns biography in progress 01 – 10
    biography pieces part 01 | seven*surprises
  • Schaufenster | Vitrine 01 – 10 | Gestaltung durch zeitgenössische KünstlerInnen
    Vitrine 01 | Sabina Hörtner | künstlerische Intervention

*Workshops

  • die Graphische - Die Schule der Medien | Workshop mit Michael Stavarič
  • Volksschule Zennerstraße - Mehrstufenklasse FC | Workshop "H. C. Artmann und Haikus"

Kontakt

Sprachspiel. Verein zur Förderung von Literatur und Kunst
Kienmayergasse 45/6
1140 Wien
T + 43 (0) 676 7196069
ZVR-Zahl: 546724891

Festival
Veranstalter: Sprachspiel. Verein zur Förderung von Literatur und Kunst
Festivalleitung: Ulrike Tauss
Konzept: Ulrike Tauss und Norbert Pfaffenbichler
Organisation: Ulrike Tauss und Norbert Pfaffenbichler
Gestaltung: Tina Hochkogler
Website: ap
Programmänderungen und Irrtümer vorbehalten.
Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen, falls nicht anders angegeben.