Screening

©Twilight’s Envelope/Und in der Dämmerung Hülle

©Twilight’s Envelope/Und in der Dämmerung Hülle
Sonntag, 14.06.2026
16.00 – 18.00 Uhr
Twilight’s Envelope/Und in der Dämmerung Hülle
(DE 2024 | 20 min 42 sec)
Pallavi Pauls experimenteller Essayfilm Twilight’s Envelope/Und in der Dämmerung Hülle (2024) verbindet verschiedene Erzählstränge innerhalb des Dokumentarfilms und fängt die Überreste der Heilanstalten Hohenlychen, einer ehemaligen Tuberkulose-Behandlungseinrichtung in der Nähe von Berlin, durch neu gedrehtes und Archivmaterial ein. Paul produzierte ihre jüngste filmische Untersuchung als Artist in Residence im Gropius Bau und als Forschungsstipendiatin am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Untermalt von der Stimme des Fabrikarbeiters Moritz Theodor William Bromme, einem ehemaligen Tuberkulosepatienten, der in Lebensgeschichte eines modernen Fabrikarbeiters (1905) das tägliche Leben in einem Sanatorium dokumentierte, wendet sich der Film Perspektiven zu, die in historischen Aufzeichnungen meist an den Rand gedrängt werden: „15 Jahre Fabrikarbeit, das sind 15 Jahre Staub schlucken“, schrieb Moritz T.W. Bromme. „Es war nicht verwunderlich, dass der gefürchtete Bazillus auch in mir, der ich von Geburt an schwach war, sein zerstörerisches Werk begann.“ Paul wählt für ihre filmische Untersuchung der Architektur einen poetischen und archäologischen Ansatz. Das Leben eines kranken Arbeiters wird in den Mittelpunkt gerückt. Umrahmt von den tief bewegenden Berichten der Patienten begleitet eine Klanglandschaft aus deutschem und österreichischem Liedgut die Zuschauer durch die gewaltigen Ruinen der Heilanstalten Hohenlychen, die von psychischen, körperlichen und spirituellen Überresten heimgesucht werden. Der heute von Staub, Unkraut und Tieren überwucherte Gebäudekomplex trägt noch immer die schmerzlichen Spuren seiner früheren Nutzung, die über die Behandlung von Tuberkulose im frühen 20. Jahrhundert hinausgeht. Nachdem das Sanatorium im Ersten Weltkrieg zu einem Lazarett und während des Nazi-Regimes zu einem Sport-Sanatorium umfunktioniert worden war, führten die Ärzte und das medizinische Personal der Einrichtung 1942 brutale Experimente an Insassen von Ravensbrück, dem größten Frauenkonzentrationslager auf deutschem Gebiet, durch. Der Film verweist auf den größeren Kontext der Industriegesellschaft, staatlicher Gewalt, Arbeit und Gesundheit sowie der Nationenbildung.