Lesung

©privat
Sonntag, 14.06.2026
13.00 – 14.00 Uhr
Anweisungen zum Atmen
Aus dem Slowenischen von Urška P. Černe und Uljana Wolf
Ein donnernder und tänzelnder, hüpfender, schleifender, pochender, glühender Rhythmus durchbebt dieses Buch. Ein Rhythmus, der uns in jedem kraftvollen Bild an die unbedingte Gegenwart des Körpers erinnert, auf Reisen, im Zirkus, im Aufbruch, im Lieben, im Verlassensein.
Mal kantig, mal zart, mal provozierend direkt spüren Golobs Gedichte die Komplexität unserer Routinen, Frustrationen und Ängste auf und zielen unbeirrt auf das, was fehlt: menschliche Nähe, Wärme, Authentizität, Sensibilität und Beherztheit. Auf all das, was Teil des Lebens ist und von jedem im Hier und Jetzt immer wieder aufs Neue riskiert werden muss. Wie Atem. Wie Gemeinschaft.
Gedichte von hinreißender, mitreißender Vitalität, angetrieben von der dem Leib eingeschriebenen Erinnerung, dass das, was wir wirklich brauchen, nicht viel ist. Und dass es alles ist.
dass nicht
Aus dem Slowenischen von Liza Linde
Anja Zag Golobs sorgfältig durchkomponierter Gedichtband ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Liebesschmerz, der Leere und Ungewissheit nach einer zerbrochenen Beziehung. Vorab steht ein Zyklus über die sechs Sinnesorgane, wodurch Golob den fünf bekannten (Auge, Ohr, Nase, Zunge, Finger) noch einen sechsten Sinn hinzufügt, der die vorangehenden vereint als eine Art Sammelplatz der emotionalen Zustände und der, anders als die anderen Sinne, lange nachschwellt. Nur langsam lässt sich die Einheit aus konkreter Einsamkeit und Sehnsucht nach der einstigen Zweisamkeit mit der Partnerin auftrennen. Erst ab der Mitte des Bandes beginnt langsam die endgültige Abkehr von der Beziehung, und gleichzeitig vertieft sich die Krise rund um die nun endgültig verlorene Welt.
In ihren Gedichten zeichnet Anja Zag Golob nicht nur die Liebesschmerzen und den langwierigen Befreiungsprozess präzise nach, sondern macht dank ihrer Sprach- und Gestaltungskraft den Schmerz und seine verschiedenen Stadien fast physisch erfahrbar: durch harte Schnitte, zerrissene Verse, willkürlich getrennte Worte, insistierende Wortwiederholungen und in Klang- und Rhythmusvariationen.