Lesung

Samstag, 13.06.2026
20.00 Uhr
Manifest für eine Arbeiter:innenklassenpoetik
„Was ich meine, wenn ich „Poesie“ sage (ist nicht, was sie meinen, wenn sie „Poesie“ sagen).“
„das gedicht existiert im augenblick; das gedicht und ich machen keine pläne.“
„die idee muss aber sein, ihnen gegen den strich zu gehen, unverdaulich zu werden für den literarischen mainstream. es ist unsere pflicht, untröstlich zu bleiben, unerlöst, wütend, ungezähmt.“
„das englische wort weather heißt verwittern, aber auch widerstehen. verwittern ist eine widerstandsfähigkeit. auf den hügeln hinter unsrem haus: ginsterbüsche gekrümmt, gebeugt und geformt vom rauen wind. das entspricht nicht ihrem natürlichen wachstum, aber sie werden verwandelt, verformt, verzerrt, wie wir.“
Der in der Reihe Roughbooks bei Urs Engeler 2025 erschienene und von Matthias Kniep herausgegebene Band mit Texten der britischen Dichterin Fran Lock, übersetzt von Matthias Kniep und Léonce W. Lupette, umfasst ein Manifest und elf Gedichte, die zu einem neuen Klassenkampf auffordern: Wie sich wehren gegen die „bargeldlose Gesellschaft“ und digitale Entkörperung? Wer ist der wirkliche Feind und wie findet die Hyäne ihren Ausgang aus dem Kapitol?
Indem diese Texte eine „grammatik irrationaler möglichkeit“ vorführen, greifen sie voraus auf noch zu erfindende Körpersprachen der Zukunft. Zu den Strategien des Widerstands gehören aber auch Beschwörungen traditioneller Geisterballaden: „Mein Schreiben geht aus von alten Volksmärchen, von Überlieferungen meiner heidnischen Wurzeln und von den öden, wilden Landschaften meiner Kindheit. Ich schöpfe aus der irischen Geschichte, aus der Quantenmechanik und aus dem Okkulten…“ Matthias Knieps Auswahl und Übersetzung präsentiert erstmals in deutscher Sprache eine Dichterin, deren „Arbeiter:innenpoetik“ zu den derzeit radikalsten Positionen in der englischsprachigen Gegenwartsdichtung gehört. (Roughbooks – Engeler Verlage)