© Sprachspiel. Biennale West, Joanna Pianka
© Sprachspiel. Biennale West, Joanna Pianka
Gerhard Rühm wurde am 12. Februar 1930 in Wien geboren. Er studierte nach dem Besuch des Realgymnasiums an der Wiener Kunstakademie für Musik und darstellende Kunst Klavier und Komposition und nahm Privatunterricht bei dem Zwölftonkomponisten Josef Matthias Hauer. Anfang der 50er Jahre erfolgte eine Annäherung an die Bildende Kunst. Er schloss Bekanntschaft mit H.C. Artmann und legte erste literarische Arbeiten vor. In seinem experimentellen Literatur- und Kunstschaffen verfolgt er einen intermedialen Ansatz, der die Bildende Musik und die Musik miteinschließt. Sein Schaffen umspannt darüber hinaus visuelle und auditive Poesie, gestische und konzeptionelle Zeichnung, Fotomontage, Buchobjekte sowie Chanson, konzeptionelle Klavierstücke, Happenings. Immer wieder trat er mit seiner Ehefrau Monika Lichtenfeld auf. Ihre gemeinsamen Sprechduette sind legendär. Monika Lichtenfeld starb 2023 in Köln.
Mit Friedrich Achleitner, H.C. Artmann, Konrad Bayer und Oswald Wiener gilt Gerhard Rühm als Mitbegründer der Wiener Gruppe, die sich ab 1954 formierte und 1964 auflöste. Danach übersiedelte Gerhard Rühm wie weitere österreichische "Exilanten", so Günter Brus oder Oswald Wiener, nach Berlin. Die von ihm 1967 herausgegebene Sammelpublikation "Die Wiener Gruppe" beeinflusste schließlich die österreichische Gegenwartsliteratur in großem Ausmaß. Ab 1972 fungierte er als Dozent an der Staatlichen Kunsthochschule in Hamburg. Er ist Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg und im Österreichischen Kunstsenat. Gerhard Rühm wurde mit zahlreichen Literaturpreisen (Hörspielpreis der Kriegsblinden (1983), Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur (1991) und Grillparzerpreis (1993) u.a. bedacht. Er lebt heute in Wien und Köln.