Screening

©Der Ausdruck der Hände
Sonntag, 14.06.2026
10.00 Uhr
Der Ausdruck der Hände
Regie: Harun Farocki
Buch: Harun Farocki, Jörg Becker
Kamera: Ingo Kratisch
Ton: Klaus Klingler
Schnitt: Max Reimann
Recherche in den USA: David Barker, Tom Bigelow
Format Video-BetaSp, 1:1,37
Produktion: Harun Farocki Filmproduktion, Berlin,
Redaktion für den WDR: Werner Dütsch
Länge ca. 30 Min.
Erstsendung 07.09.1997, 3sat
Die Hand steht für Berührung, das Kino aber muss alle Sinneswahrnehmungen in Blicke umformen. Die erst Großaufnahmen der Filmgeschichte richteten sich auf das menschliche Gesicht, die nächsten auf die Hände. Oft sollen die Hände etwas verraten, was der Ausdruck des Gesichts verbergen will: etwa, wenn die Hand ein Glas zerdrückt, ohne dass im Gesicht Erregung abzulesen ist.
Obwohl die Hände auch ein Kennzeichen der Person sind, stellt das Kino doch kaum je einen Menschen mit einem Blick auf die Hände vor. Wer und was ein Mensch ist, das liest der Film im Gesicht ab, und dort sucht er auch nach der Seele. Für die Hände bleibt da das Triebhafte. Die Hände sind wie die kleinen Leute: man kann sie nicht recht voneinander unterscheiden, sie tun ihre Arbeit und verstellen sich nicht groß. Die gefilmte Hand fordert die Phantasie heraus, sie als ein krabbelndes Tierchen aufzufassen.
Es gibt ein ganzes Genre, in dem die Hand ihrem Eigner den Dienst aufkündigt und sich selbständig macht. Hat sie sich losgemacht, will sie Hälse würgen und wird zur Strafe gern festgenagelt, auf einem Klavier etwa. Nun zappelt und zuckt sie und findet weniger Mitleid als eine Ratte. (Harun Farocki)