
©Marko Mestrovic
CHRISTL – Konzert
„Geschrieben wie das Christkind, ausgesprochen wie die Droge“ – CHRISTL ist ein Gesamtkunstwerk, das sich konsequent jeder Schubladisierung entzieht. Beyond gender, beyond medium und beyond borders verbindet die multidisziplinäre Künstler:in Musik, Literatur und visuelle Kunst zu einem eigenständigen, kompromisslosen Kosmos. Experimentelle Soundscapes treffen auf energiegeladenen, melancholischen Pop, getragen von einer starken, zugleich fragilen Stimme. Im Zentrum stehen Emotionen, persönliche Geschichten und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten – Räume, in denen Wut und Liebe, Verletzlichkeit und Stärke gleichwertig existieren dürfen. Mit aktivistischer Kunst machte CHRISTL früh auf sich aufmerksam, etwa mit der Single „Object Of Desire“, die eigene Erfahrungen mit sexueller Belästigung thematisiert und eine öffentliche Diskussion auslöste. Nach der Debüt-EP „A Room For Her Own“ (2021) und dem Lyrikband „Ich glaub ich hasse mich“ (2023) verdichten sich diese künstlerischen Linien im Debütalbum „Green Blue Violet / Grün Blau Violett“ zu einem eindringlichen Statement. Die Farben Grün, Blau und Violett stehen dabei für Hämatome, Erinnerungen und Überleben.
In 15 Tracks setzt sich CHRISTL intensiv mit Gewalt, Trauma, Sexismus und Depression auseinander – und mit der Möglichkeit von Heilung durch Kunst. Die Zweisprachigkeit des Albums entwickelte sich intuitiv: Erstmals singt CHRISTL auch auf Deutsch und gewinnt dadurch eine neue, reflektierende Distanz zum eigenen Erleben. Songs wie „Tod“, „Weiter Weg“ oder „Verstecken“ öffnen neue emotionale und sprachliche Räume, ohne ihre Zugänglichkeit zu verlieren.
Auch Literatur zieht sich wie ein roter Faden durch das Album: eigene Gedichte, eingesprochene Texte von Freund:innen sowie Referenzen auf Kim de l’Horizon und Elfriede Jelinek formen eine vielschichtige Collage. Produziert in enger Zusammenarbeit mit Andreas Lettner und Eva Klampfer entstand ein geschützter Raum, in dem alles ausgesprochen werden konnte, was lange unaussprechlich war. „Green Blue Violet / Grün Blau Violett“ ist weniger eine Reise als eine Entwicklung – ein schonungslos ehrlicher Blick auf die eigenen Wurzeln und der leise, widerständige Ausblick darauf, dass es auch anders weitergehen kann.
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