Screening

©Becoming Outline

©Becoming Outline
Freitag, 12.06.2026
18.00 Uhr
Becoming Outline
(AT 2024 | 70 min)
Regie, Buch, Schnitt: Miriam Bajtala
Darsteller:innen: Anna Kohler Frauenlob, Lotta Boesch, Matilda Lurf, Isabella Lurf, Jona Moro, Gwendolin Kovacic, Katrin Kröncke, Anat Stainberg, Thomas Hörl u.v.m.
Kamera: Marianne Andrea Borowiec
Musik: Stefan Németh; Zusätzliche Musik: Tumido, Nitro Mahalia, Rashim
Sounddesign: Andreas Hamza
Tonschnitt/Soundmix: David Almeida–Ribeiro
Produzent:innen: Miriam Bajtala
Vertrieb: sixpackfilm
In Becoming Outline sind die 18 Grundrisse der Wohnungen, in denen ich gelebt habe, als Filmkulisse und rot gesteckter Umriss auf einer Wiese, Eins zu Eins, zu sehen – ein räumlicher Lebenslauf, der fragmentarisch das Erwachsenwerden thematisiert. Was bedeutet es, ‚im Nachteil zu sein‘ und aus einer ökonomisch kapitalschwachen, patriarchalen und kulturell ungebildeten Familie mit Migrations-‚Vordergrund‘ zu kommen? Was heißt das Wort ‚Selbstermächtigung‘ und wie lässt sich so eine Geschichte filmisch erzählen? Mein Experiment eines konzeptionellen Coming-of-Age Films. (Miriam Bajtala)
Für einen Moment erstarren Vater, Mutter und Tochter zum Tableau vivant, ein Gemälde imitierend. Aus dem Off erzählt eine Stimme eine Episode aus dem Leben der Urgroßmutter, die einst als Erntehelferin nach Frankreich ging. Miriam Bajtalas Becoming Outline ist Autoethnografie, Familienaufstellung und vielschichtig-komplexes Selbstporträt in einem. Der Film durchläuft die Stationen der Migrationsgeschichte der Familie – Frankreich, Tschechoslowakei, Österreich – und ihrer sozialen, also auch psychologischen, finanziellen und intellektuellen Emanzipation. Laiendarsteller:innen spielen Szenen aus dem Aufwachsen und dem Erwachsenenleben der Regisseurin nach: Kirschkernspucken auf ein Porträt des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei als Akt politischer Subversion; Weihnachten unterm Plastikbaum vor einer Papierkrippe aus der Kronen Zeitung; studentische Verlorenheit vor Bücherstapeln.
Auf einer sommerlichen Wiese zieht rotes Textilband die Umrisse der 18 Wohnungen nach, in denen die Regisseurin an diversen Orten von Oberösterreich bis Kanada gelebt hat. Aller Präzision der Erinnerung zum Trotz sind die konkreten Räume abstrakte Umgebungen für prägende Erlebnisse geworden – rätselhafte, schambesetzte, befreiende. Die Weite der Wiese um die Umrisse herum antizipiert den Ausbruch aus beengten Verhältnissen, setzt die Emanzipation ins Bild, bevor die Erzählung sie einholt.
Auf diese Weise löst Bajtala die am Anfang des Films zitierte in der klassischen Anthropologie vorgenommene Unterscheidung zwischen „Feld“ und „Zuhause“ auf: Die Beschäftigung der Regisseurin mit sich selbst und ihrer Familie geht über die Grenzen einer Autobiografie hinaus, um zum systematischen Blick auf jene Strukturen zu werden, die eine individuelle (Familien-)Geschichte geprägt haben. (Fabian Tietke für die Diagonale 2025. Festival des österreichischen Films)