Screening

©acte du dressure réactivé
Freitag, 12.06.2026
17.00 Uhr
`acte du dressure. réactivé´
(AT 2026 | 32 SEC)
Die 2026 mit dem OpenArt KI-Bildgenerator hergestellten Clips basieren auf einem Porträt des jungen Konrad Bayer mit Pelzmütze und auf Fotomaterial, das von Franz Hubmann im Rahmen des 2. literarischen cabarets aufgenommen wurde. Letzteres wurde am 15.04.1959 um 19 Uhr 30 im PORR-Haus in Wien 4., Treitlstraße 3 von Gerhard Rühm, Friedrich Achleitner, Konrad Bayer und Oswald Wiener, wohl bekannt als Wiener Gruppe, veranstaltet.
Konrad Bayer tritt als Dompteur in Erscheinung und schwingt laut Regieplan im 2. Teil des Endabschnittes mit dem Titel wunder&staunen eine Peitsche. Dieser Akt soll als act du dressure in die Geschichte der literarischen Neoavantgarde Österreichs eingehen. Hermann J. Hendrich, an sich Techniker, verschrieb sich ebenso den experimentellen Kunstformen und fertigte das Utensil für diesen performativen Akt an. Die Originalfotos zeigen eine zirkusähnliche Dressurszene. Auf der Bühne schlüpften Frauen in die Rolle der zu Dressierenden, wobei als SchauspielerInnen Kiki Kogelnik, Ingrid Schuppan, Birgit Schwabbauer und Christl Novak fungierten.
Der OpenArt KI-Bildgenerator wurde 2026 mit dem historischen Bildmaterial konfrontiert – und voilà, entstanden sind einige Clips in dadaistischer Art, die zusammengefügt nun `acte du dressure. réactivé´ ergeben. Einst performativ angelegt, wurde diese Szene acte du dressure nach 67 Jahre reaktiviert und mittels KI filmisch in Szene gesetzt.
Idee/Gestaltung: Ulrike Tauss und Martin Putz
Dank an Renate Ganser und Axel Hubmann für die Fotorechte.
Postskriptum:
Der sprachwissenschaftliche Begriff für das Wortpaar Dressur/dressure heißt Scheingallizismus oder Scheinentlehnung. Ein Scheingallizismus bzw. eine Scheinentlehnung ist ein Wort, das eine französische Endung besitzt (wie -age oder – üre) und dadurch französisch wirkt, aber in dieser Form oder Bedeutung im eigentlichen Französisch nicht existiert. Die korrekte Übersetzung für Dressur wäre le dressage.
Die etymologische Entwicklung des Wortes dresser zeigt, dass das Wort dressure im Mittelenglischen (spätes 14. Jahrhundert) tatsächlich im Gebrauch war. Es wurde als dressour oder eben dressure vom Altfranzösischen (9. – 14. Jhd.) übernommen und trug die Bedeutung Tisch oder Anrichte, auf der Speisen zubereitet bzw. hergerichtet wurden.
Das ursprüngliche lateinische Verb war dirigere, was lenken, ausrichten bedeutet. Directiare aus dem Vulgärlatein bedeutet richten, aufstellen und drecier/dresser aus dem Altfranzösischen aufrichten, aufstellen, anrichten, zurichten.
Das deutsche Wort dressieren ist ebenfalls aus diesem altfranzösischen Wort drecier entlehnt.
Der sprachwissenschaftliche Begriff für faux amis ist entweder ein interlinguales Homonym, also Wörter, die in zwei Sprachen formal identisch sind (Schreibung und Klang), aber unterschiedliche Bedeutungen haben (beispielsweise meint Baiser im Deutschen Schaumgebäck, im Französischen aber Kuss. Schaumgebäck heißt auf Französisch meringue oder wir sprechen von einem interlingualen Paronym. Das sind Wörter, die sich in zwei Sprachen sehr ähnlichsehen oder anhören, aber eben nicht völlig identisch sind und eine andere Bedeutung haben – beispielsweise eventuell/eventually.