
©Mario De Munck
Chantal Akerman wurde am 6. Juni 1950 in Brüssel geboren. Im Alter von 15 Jahren entdeckte sie zufällig Jean-Luc Godards „Pierrot le Fou“, was sie dazu inspirierte, sich dem Filmemachen zu widmen. Nachdem sie 1967 an der Brüsseler Filmschule (INSAS) begonnen hatte, brach sie das Studium sofort ab, da sie die starren Rahmenbedingungen der Schule ablehnte. Im folgenden Jahr drehte sie ihren ersten Kurzfilm, „Saute ma ville“, den ersten Ausdruck eines freien und radikalen Kinos. Anfang der 1970er Jahre zog Akerman nach New York, wo sie das experimentelle Kino von Jonas Mekas und Michael Snow entdeckte, das einen tiefgreifenden Einfluss auf die Filme hatte, die sie dort drehte („La Chambre“, „Hotel Monterey“).
Nach ihrer Rückkehr nach Belgien drehte sie „Je tu il elle“ und beschaffte sich anschließend die notwendigen Mittel für die Produktion von „Jeanne Dielman, 23, quai du Commerce, 1080 Bruxelles“. Dieser Film über den Alltag einer Hausfrau, ein Meilenstein des feministischen Kinos, der 1975 bei der „Quinzaine“ in Cannes präsentiert wurde, verschaffte ihr internationale Anerkennung und gilt bis heute als bedeutendes filmisches Experiment in der Geschichte des Kinos, das seit Jahrzehnten studiert und bewundert wird. Im Dezember 2022 wurde der Film vom britischen Magazin Sight&Sound zum besten Film aller Zeiten gekürt.
Als unermüdliche Künstlerin geht Akerman ihren eigenen Weg, sprengt narrative und geografische Grenzen, um zwischen den Genres zu wandern, und widmet sich nacheinander Fiktion, Dokumentarfilm, Musikkomödie und Literaturverfilmung.
Ihre Filmografie umfasst rund vierzig Filme, die weltweit vielfach gezeigt und gefeiert wurden. Chantal Akerman gilt dank ihrer Modernität, ihres visionären Umgangs mit Bild, Zeit und Raum sowie der Reflexionen, die sich durch ihre Filme ziehen (über Identität, Zugehörigkeit, Erinnerung, Feminismus, Geschlecht und Sexualität), als eine der bedeutendsten und einflussreichsten europäischen Regisseurinnen ihrer Generation.
Neben ihren Filmen verband Chantal Akerman Film- und Videokunst eng miteinander und schuf ab 1995 Installationen, die weltweit in bedeutenden Kunstinstitutionen ausgestellt wurden. Als große Liebhaberin des geschriebenen Wortes ist sie zudem Autorin mehrerer Bücher.
Chantal Akerman verstarb 2015, doch ihr Einfluss auf Filmemacher wie Gus Van Sant, Tsai Ming-Liang, Todd Haynes, Kelly Reichardt, Apichatpong Weerasethakul, Céline Sciamma und Alice Diop ist nach wie vor unschätzbar.
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